Patrick Borchers: “1m³ heiße Luft” bei Höhenrausch.2

NEXTCOMIC-Festival 2017

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Patrick Borchers: “1m³ heiße Luft” bei Höhenrausch.2

Patrick Borchers: 1m³ heiße Luft 
 8.6 – 2.8.2011
ein Kooperationsprojekt mit dem OK Offenes Kulturhaus und NEXT COMIC Corner 
in der Studiogalerie der Kunstsammlung des Landes Oberösterreich im Rahmen 

Patrick Borchers sequenzielle Zeichnungen arbeiten eng an der Schnittstelle von Bildender Kunst und Comic und greifen dabei zumeist politische Themen auf. Die Pressefotos, die ihm in der Arbeit „Im Eifer des Gefechts, Block 3, Guantanamo“ als Vorlage für seine Zeichnungen dienten, wurden auf der ganzen Welt publiziert und erreichten große öffentliche Aufmerksamkeit.

Borchers reduziert diese Fotos zur „Ligne Claire“, wie sie als Gattung im Comic bekannt ist. Neben dem Grafitstift verwendet er in dieser Serie fast ausschließlich Orange als Farbeder Linien. Orange nicht allein als Farbe der Gefangenanzüge, sondern vielmehr auch zur Sichtbarmachung gleißender Lichtreflexion. Eine zeichnerische Technik, die auf Reduktion basiert und im weiteren Sinne den Raum offen lässt, der für die unerträglich heiße Luft steht und das Wesentliche beinhaltet.

„Borchers geht sehr unterschiedlich mit dem vorhandenen Material um: Mal nutzt er die ‚Zeichnung als Reportage aus zweiter Hand‛ zur resümierenden und rekombinierten Betrachtung, weg von der ‚linearen‛ Betrachtung tagespolitischer Ereignisse, mal zur grafischen bis ornamentalen Verwertung medialer Bilder (‚Block 3 – Guantanamo‛) oder zur Schaffung emotionaler Distanz. Auch in dieser Werkserie nutzt Borchers die Kunst des Weglassens. Ausgewählte Motive werden gescannt und ausgedruckt, auf Papier gepaust und durch radieren, hinzufügen und verändern bearbeitet. Die so entstandenen Zeichnungen werden oft wieder eingescannt und mit Bildbearbeitungsprogrammen erneut überarbeitet. Am Ende eines solchen Prozesses steht immer eine Reinzeichnung auf Papier. Diese wird dann als Detail in eine bereits bestehende Zeichnung eingefügt oder steht als einzelne Zeichnung für sich.

Borchers’ Reduktionen zielen dabei nicht primär auf die Abstraktion der Motive und Gegenstände, sondern auf die der Zusammenhänge und Verbindungen. Bereits die Arbeitsmethode legt das Entstehen von Zwischenräumen, Leerräumen und Resträumen nahe, die unsere fragmentarische und höchst eingegrenzte Sichtweise auf die Ereignisse und Verhältnisse deutlich repräsentieren. Mit der Nutzung verschiedener Formate, der Gegenüberstellung von Einzelblättern und verdichtet komponierten Collagen schafft Borchers eigene und ästhetisch verfeinerte Bildkonstruktionen.“[1]


[1] Aus: Dr. Sabine Maria Schmidt (2009), Wie es ins Auge fällt – Zu den Zeichnungen von Patrick Borchers. In: Patrick Borchers ­– hingeschaut und umgebaut, S. 3, Sensationsverlag, Waldhausen

Patrick Borchers, geboren 1975 in Herdecke, lebt und arbeitet in Dortmund.